Ratings von TÜV, G.U.B. & Co. leiten fehl

"Vertrauenswürdige Geldanlagen" will der TÜV als Siegel vergeben und den Anlegern helfen. Ein Finanzmathematiker, Autor mehrerer Fachbücher und ehemals freier Mitarbeiter von FINANZtest analysierte die Zertifizierung von Finanzanlagen durch den TÜV.* Von 9 Gutachten gab es 3 Male "gut", 4 Male "sehr gut" und 2 Mal "ausgezeichnet", eher ungewöhnlich bei den Produkten, deren Anbietern eher nicht unbedingt zur ersten Garde zählen. Die Benotungen fallen seiner Meinung nach zu milde aus. Bei Kosten von mehr als 20 % gab es noch die Note "gut", bei offensichtlichen Managerversagen für die Qualifikation ein "sehr gut". Die Benotungsskala an sich ist in der Tat äußerst milde: Bei 50 % erreichter Punkte wird noch die Note "gut" gegeben, obwohl jeder Schüler weiß, dass er dann mit einer 4- (Schwach ausreichend) rechnen müsste. Ungereimtheiten sah auch Börse Online am 10.07.2008 sowie PlusMinus am 11.09.2009.

[*Werner Siepe: TÜV-geprüfte Fondsplausibilität/Gutachten, AfW Bundesverband Finanzdienstleistung e. V., Okt. 2009]

Stiftung Warentest war von den Ratings über geschlossene Fonds ernüchtert. Rückblickend wurde viel zu optimistisch geurteilt und empfohlene Fonds mutierten zu Pleitefonds, allein G.U.B. gab 2-3 Sterne (von 3) für fünf heute insolvente Fonds. "Blind-Pools", also Fonds ohne vorher bekannte Investitionsobjekte bekamen gute Noten, obwohl eine Einschätzung kaum möglich ist, so Finanztest (das sehe ich etwas anders, je nach Erfahrungen mit Vorgängerfonds, die den EInkauf nachgewiesen haben).

Als einen Grund nennt das Heft die Auftraggeber: es sind die Fondshäuser selbst, die zwischen 4.000 und 50.000 Euro pro Analyse bezahlen. [So zerplatzen Träume, in: Finanztest 12/2009, S. 34-36]

Wohl kaum für schlechte. Es ist in der Branche kein Geheimnis, dass gute Noten "gekauft" werden können.

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